Woraus der Preis besteht
Von 37,3 ct/kWh entfallen nur 15,4 ct auf Einkauf und Vertrieb, also auf das, was der Strom an der Börse kostet, und die Marge des Versorgers. Der Rest sind Netzentgelte, Umlagen und Steuern, die Politik und Regulierung festlegen.
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- 41 %
Beschaffung und Vertrieb. Folgt dem Börsenpreis mit Verzögerung, weil Versorger ein bis drei Jahre im Voraus einkaufen. Hier wirken Gaspreis, CO₂-Preis und der Ausbau von Wind und Sonne.
- 25 %
Netzentgelte. Bau und Betrieb der Leitungen, Ausgleichsmaßnahmen bei Engpässen. Die Bundesnetzagentur genehmigt sie; je Region zwischen unter 5 und rund 15 ct.
- 8 %
Umlagen. Netzanbindung der Windparks auf See, Entlastung stromintensiver Betriebe, Kraft-Wärme-Kopplung. Die EEG-Umlage ist seit Juli 2022 null; der Bundeshaushalt bezahlt die Förderung.
- 26 %
Steuern und Abgaben. Mehrwertsteuer, Stromsteuer (seit 2003 unverändert 2,05 ct) und Konzessionsabgabe an die Gemeinde.
Entwicklung seit 2007
Im 1. Halbjahr 2007 kostete Haushaltsstrom 20,3 ct/kWh, im 1. Halbjahr 2026 36,2 ct/kWh. Bis 2014 trieb vor allem die EEG-Umlage den Preis, 2022 und 2023 der Einkauf.
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Rechnet man die allgemeine Teuerung heraus, sieht es anders aus: In heutiger Kaufkraft kostete Strom 2007 schon 30,8 ct/kWh. Die Preise von 2013 bis 2021 lagen real über dem heutigen Niveau.
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Eurostat zählt alle Haushalte mit 2.500 bis 5.000 kWh, auch Bestandsverträge und Grundversorgung. Der BDEW-Wert für Neukunden liegt deshalb etwas höher.
Der Startjahr-Effekt
Wie stark „der Strompreis jedes Jahr steigt“, hängt vor allem davon ab, wo die Rechnung beginnt. Die gleiche Zeitreihe liefert je nach Startpunkt fast alles zwischen kräftigem Anstieg und Rückgang.
| Start | Damals | Pro Jahr nominal | Pro Jahr real |
|---|---|---|---|
| 1. Halbjahr 2007 Beginn der Reihe | 20,3 ct/kWh | +3,1 % | +0,9 % |
| 1. Halbjahr 2013 EEG-Umlage steigt stark | 29,2 ct/kWh | +1,7 % | −0,8 % |
| 1. Halbjahr 2015 Basisjahr vieler Statistiken | 29,5 ct/kWh | +1,9 % | −0,9 % |
| 1. Halbjahr 2021 Vor der Energiekrise | 31,9 ct/kWh | +2,5 % | −1,8 % |
| 1. Halbjahr 2023 Höhepunkt der Energiekrise | 41,3 ct/kWh | −4,3 % | −6,6 % |
Seit 2007 stieg der Preis im Schnitt um +3,1 % im Jahr, nach Abzug der Inflation um +0,9 %. Wer 5 % im Jahr ansetzt, rechnet mit deutlich mehr, als die letzten zwei Jahrzehnte geliefert haben, eine Energiekrise eingeschlossen.
2022: als das Gas aus Russland ausblieb
Der Börsenpreis richtet sich in jeder Stunde nach dem teuersten Kraftwerk, das noch gebraucht wird, oft einem Gaskraftwerk. Als Russland 2022 die Lieferungen drosselte und einstellte, stieg der Gaspreis auf ein Vielfaches und zog den Strompreis mit. Im ersten Halbjahr 2023 kostete Haushaltsstrom im Schnitt 41,3 ct/kWh, so viel wie nie.
Die Strompreisbremse deckelte 2023 den Preis für 80 % des erwarteten Jahresverbrauchs bei 40 ct. Seitdem ist der Einkauf wieder billiger geworden, liegt aber über dem Niveau vor der Krise. Solche Schocks lassen sich nicht vorhersagen, aber eingrenzen: Sie treffen den Einkaufsanteil von rund 40 %, nicht Netz und Steuern, und Versorger mit langfristigem Einkauf geben sie verzögert und gedämpft weiter.
Mehr Wind und Sonne machen den Preis weniger abhängig vom Gas, ganz verschwindet die Abhängigkeit nicht: In der Dunkelflaute setzen weiter Gaskraftwerke den Preis. Was dann passiert, zeigt Stromversorgung.
Was feststeht, was offen ist
| Bestandteil | Stand | Richtung |
|---|---|---|
| Umlagen 2027 | Beschlossen | +0,68 ct netto: Aufschlag für besondere Netznutzung 2,03 ct, Offshore-Netzumlage 1,14 ct, KWKG 0,45 ct |
| Bundeszuschuss Übertragungsnetz | 2026 beschlossen, 2027 geplant | 6,5 Mrd. € 2026, für 2027 rund 5,5 Mrd. € im Haushaltsentwurf. Ohne Zuschuss lägen die Netzentgelte laut BDEW rund 1,7 ct höher. |
| Netzentgelte 2027 | Vorläufig | Im Mittel etwa +2 % laut Verivox; endgültig erst im Dezember |
| Stromsteuer | Für Haushalte nicht beschlossen | Industrie und Landwirtschaft zahlen das EU-Minimum. Für Haushalte würde es knapp 2 ct netto sparen; Finanzierung von 5,4 Mrd. € strittig. |
| Neue Gaskraftwerke | Gesetzentwurf | Kapazitätsmarkt, Ausschreibungen seit 2026. Umlage frühestens ab etwa 2031, Höhe offen. |
| Netzentgeltsystem | Entwurf der Bundesnetzagentur | Neues System ab 2029 (AgNes). Wie viel davon künftig als Grundpreis fällig wird, ist offen. |
| Netzausbau bis 2045 | Studien | Von −10 bis −15 % (BDEW/Frontier: mehr Strom verteilt die Kosten) bis +1,7 bis 3 ct (IMK, je nach Finanzierung) |
| Börsenpreis | Studien | Mehr Erneuerbare senken ihn; Agora/Aurora: bis 2030 bis zu −23 % gegenüber gebremstem Ausbau |
Die Bestandteile laufen gegeneinander: Wind und Sonne machen den Einkauf billiger, Netze, Reservekraftwerke und ihre Umlagen machen die Rechnung teurer. Oft entscheidet nicht die Technik, sondern wer zahlt: Netzausbau über den Strompreis oder aus dem Bundeshaushalt. Was die Steuer finanziert, erscheint nicht auf der Stromrechnung, bezahlt wird es trotzdem.
Was sich sagen lässt
- Kurzfristig belegbar: 2027 steigen Umlagen und Netzentgelte leicht. Ob das ankommt, hängt am Bundeszuschuss und an der Stromsteuer, also am Bundeshaushalt.
- Nicht belegbar: eine feste Steigerungsrate über 20 Jahre. Keine der Studien sagt den Haushaltspreis bis 2045 voraus; sie beschreiben Bestandteile und Szenarien.
- Vertretbar als Mittelwert: nominal etwa im Takt der Inflation, real also ungefähr gleich. Das entspricht der Entwicklung seit 2007.
- Für die Entscheidung: Eine Solaranlage sollte sich auch bei real gleichbleibendem Preis rechnen. Steigt er, ist das ein Bonus, keine Begründung.