Energie richtig zählen

„Erneuerbare decken nur ein Fünftel unseres Energiebedarfs, also müssten wir sie verfünffachen.“ Der Satz klingt logisch und ist trotzdem falsch. Hier steht, warum, mit einer Rechnung zum Mitmachen und den Einwänden, die berechtigt sind.

Der Denkfehler

Die Statistik zählt Kohle, Gas und Benzin mit allem, was verbrannt wird, Wind und Sonne nur mit ihrem Strom.

  • 10.500 PJ

    Primärenergie 2025, davon 20,8 % erneuerbar

  • 2,6 kWh Kohle

    für 1 kWh Strom; der Rest geht als Abwärme in den Kühlturm

  • 1 kWh Wind

    zählt als 1 kWh Primärenergie und ersetzt trotzdem die ganze Kohle

Deshalb sinkt der Primärenergieverbrauch mit jedem Windrad, ohne dass jemand verzichtet, und der Anteil der Erneuerbaren daran wirkt kleiner, als er für die Versorgung ist. Englisch heißt das primary energy fallacy.

1 Strom aus dem Kraftwerk
kWh
%

Netto, also nach Eigenverbrauch des Kraftwerks. Der Rest des Brennstoffs wird zu Abwärme.

%

Zwischen Kraftwerk und Steckdose; gilt für fossilen und erneuerbaren Strom gleich.

2 Heizen
kWh/Jahr
%

Wärme je kWh Strom über das ganze Jahr; Luft-Wärmepumpen im Bestand liegen niedriger als Erdwärme.

3 Fahren
km/Jahr
l/100 km
kWh/100 km

Derselbe Nutzen, weniger Energie

Haus mit Heizung und Auto, fossil
24.208 kWh
Dasselbe elektrisch
6.825 kWh
Fossil braucht das
3,5-Fache
Kohlestrom: Brennstoff je kWh
2,6 kWh

Der Strombedarf steigt, wenn Heizung und Auto elektrisch werden. Der Energiebedarf insgesamt sinkt dabei deutlich, weil Verbrennungsmotor und Kraftwerk den größten Teil ihres Brennstoffs als Abwärme verlieren und die Wärmepumpe Umweltwärme dazuholt.

Rechnung im Einzelnen

NutzenFossil: BrennstoffElektrisch: StromPrimärenergie fossilPrimärenergie Wind/PV
1.000 kWh Strom aus dem Kraftwerk2.632 kWh1.000 kWh2.632 kWh1.000 kWh
15.000 kWh Wärme im Jahr16.304 kWh4.545 kWh16.304 kWh4.785 kWh
12.000 km im Jahr7.903 kWh2.280 kWh7.903 kWh2.400 kWh

Primärenergie nach der Wirkungsgradmethode der Energiebilanz: Wind- und Solarstrom zählen mit ihrer Strommenge, ein fossiles Kraftwerk mit dem Brennstoff, den es verbrennt. Benzin und Gas stehen hier ohne Förderung, Raffinerie und Transport, also eher zu niedrig.

Fossil und elektrisch im Vergleich

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Wo Strom nicht eins zu eins gewinnt

Übers Jahr stimmt die Rechnung. Für jede einzelne Stunde reicht sie nicht:

  • Zeitpunkt

    Wärmepumpen brauchen Strom im Winter, wenn wenig Sonne kommt und der Wind tagelang ausbleiben kann.

  • Speichern

    Batterien geben rund 90 % zurück, der Umweg über Wasserstoff nur ein Drittel bis zwei Fünftel.

  • Leistung

    Windstrom ersetzt die Energie eines Kohlekraftwerks, nicht seine Verfügbarkeit auf Abruf.

  • Netz

    Abgeregelter Ökostrom ist erzeugbar, aber nicht genutzt; anderswo läuft dann ein fossiles Kraftwerk.

Wie groß das wird, wenn Bedarf und Ausbau wachsen, zeigt das Szenario-Spiel Stunde für Stunde.

Was bewegt etwas?

Größenordnungen aus amtlichen Quellen und Studien: welche Debatte um Milliarden und Gigawatt geht und welche um Kleingeld.

  • Wärmepumpe und E-Autorund ⅓

    der Energie für denselben Nutzen; der größte Effizienzhebel

  • Netzausbau3,1 Mrd. €

    Engpasskosten 2025, über die Netzentgelte von allen bezahlt

  • Steuerbare Leistung22–36 GW

    zusätzlich bis 2035 laut Bundesnetzagentur

  • Abgeregelter Ökostrom0,43 Mrd. €

    Entschädigung 2025, kleiner als oft behauptet

  • Preisspitzen936 €/MWh

    in der Dunkelflaute im November 2024, kein Marktmissbrauch

  • Neue Kernkraftwerke13,6–49 ct/kWh

    Gestehungskosten ohne Endlagerung (Fraunhofer ISE)

Was die Rechnung vereinfacht

Gezählt wird der Brennstoff am Kraftwerk, Kessel oder Tank und der Strom an der Steckdose. Förderung, Raffinerie und Transport fehlen, ebenso die Herstellung von Anlagen und Fahrzeugen. Die Standardwerte sind typische Größenordnungen; für dein eigenes Haus mit Solaranlage rechnet der Solarrechner.

Quellen